Projekt “Speicher-Welpen” nahezu abgeschlossen
Erstellt von Claudia am Sonntag 25. Mai 2008
Wir stehen kurz vor Abschluss unseres recht schwierigen Projektes "Speicher-Welpen". Ich weiß, Sie liebe Leser, haben mitgelitten, mitgebangt, waren mit schockiert und haben sich mitgefreut.
Alle drei aufgenommenen Hunde (Mr. Nugget, Onawa & Pamuya) sind "durchgekommen" und haben nach sorgfältigsten Prämissen perfekte Familien und Lebensbedingungen – zugeschnitten auf ihre jeweiligen Charaktere – gefunden. Was will man mehr als Tierschützer. Das ist Sinn unserer Arbeit, auch wenn der Abschied uns Pflegestellen (und Beteiligte) traurig macht.
Auch die sehr spezielle Hündin Pamuya wird heute in ihr neues Heim ziehen. So einige hatten sich beworben, weil sie fasziniert waren vom Aussehen des Hundes. Faszination allein reicht jedoch für eine lange harmonische Mensch-Hund-Beziehung nicht aus. Es gab Interessenten, für die Pamuyas Scheuheit ein "Reiz" war. Pamuya ist kein Test-Hund, um auszuprobieren, wie lange und ob ein Reiz ein Leben lang hält.
Sicherlich erinnern Sie sich noch an den Spaß-Text im Vermittlungsprofil des Welpenfinders. Hätten Sie geglaubt, dass sich ein solcher Mensch findet? Ich nicht. Ganz ehrlich.
Als der Anruf jedoch Donnerstag kam, wusste mein Bauch sofort: Das ist sie. Die neue Besitzerin von Pamuya. Eine ehemalige Tierschützerin mit 30 Jahren Hundeerfahrung. Eine absolute Einsiedlerin mit vormals drei Hunden, deren Hündin vor wenigen Wochen gestorben ist. Ein großes Grundstück, umzäunt, ein Leben für ihre Tiere mit allem Drum-und-Dran. Keine heren Karriere-Ambitionen für ihre Hunde. Schön.
Ich wäre verrückt, wenn ich Pamuya nicht ziehen lassen würde und so gebe ich sie frei. Nicht ohne Zweifel, ohne "hätte" oder "könnte". Weil das Schicksal auch anders hätte spielen können.
Ich werde nun in meiner pflegerischen Tätigkeit eine kurze Rast einlegen. Nachdenken. Es gibt viele Gedanken, die ich in den vergangenen Wochen beiseite legte, nicht zu Ende denken konnte, weil die Zeit fehlte. Gerade in der Tierschutzarbeit muss man sich auseinandersetzen mit Themen. Gerade auch in verantwortlichen Funktionen, weil hier die Richtung gewiesen wird.
Wie nimmt "Frau" es auf, wenn sie hinter vorgehaltener Hand erfährt, dass der Hund, den sie einst rettete, zwar geliebt, gehegt und gepflegt wird, jedoch mit Maßnahmen erzogen/gestraft wird, die abzulehnen sind (Alphawurf, Sprüh-Halsbänder etc.)? Nicht aus Boshaftigkeit der Besitzer wegen, sondern aus Unwissen und im guten Glauben. Was kann getan werden, um so etwas zu verhindern? Möchte frau weiterhin Hunde retten, die traumatisiert und jedes Vertrauen in den Menschen verloren hatten? Diese mühevoll aufbauen, das Vertrauen zurückgewinnen, stark machen für das Leben und die Menschen, damit sie doch letzten Endes dort landen, wo sie Menschen als unsichere und unberechenbare Geschöpfe wahrnehmen müssen, die ihre eigene Hilflosigkeit bei der Hundeerziehung aus Unwissenheit in schnellen Starkzwangmethoden umsetzen?
Wir haben viel gelernt in der Vergangenheit, ganz sicher. Wir sind besser geworden. Aber wir müssen noch genauso viel lernen für die Zukunft. Der steinige Weg ist der der Auseinandersetzung, nicht das Schweigen.
Claudia Hauer



