Freude am Geflügel
Erstellt von Claudia am 22. August 2010
Aus meinen kleinen Entchen sind inzwischen fast große Enten geworden. Von ihrem niedlichen Daunenkleid ist nicht viel übrig geblieben und mein „schwächliches“ Entchen kann kaum noch als „schwächlich“ identifiziert werden. Es ist ein Heidenspass mit diesen Viechern, auch wenn sie nach wie vor ziemlich scheu sind.
Sicher haben Sie das Bild von den Enten aus dem Park vor dem Auge, wenn Sie an Enten denken. Enten, die sich mutig herantrauen, wenn Sie mit altem Toast oder Brötchen daherkommen? Nun, bei meinen Entchen wären Sie enttäuscht, denn mit Brötchen oder alten Backwaren können Sie höchstens Negativpunkte bei meinen Pfleglingen sammeln. „Alle meine Entchen …“ sind Gourmets! Gerade so und mit viel Mühe haben sie das Ententrockenfutter akzeptiert, aber ihre Lieblingsspeisen sind doch eher Insekten wie große Heimchen oder jede Arten von Grillen. Auch Regenwürmer werden verspeist und als pflanzliches Beiwerk darf ich tagtäglich frische Entengrütze servieren. Diese sollte jedoch nach Möglichkeit großblättrig sein. Kleinblättrige, die es zuhauf hier in den Tümpeln gibt, fressen sie nur mit Verachtung, dass ich es mal wieder nicht gepackt habe, die wohlschmeckende aus Jannys Teich zu besorgen.
Ein wundervolles Ritual zählt zu meinem Enten-Alltag: Jeden Tag nehme ich mir eine Stunde Zeit, um die Riesen-Grillen zu verfüttern. Die Enten warten inzwischen schon regelrecht darauf. Mit einer Pinzette sitze ich dann in der Quarantäne, angel mir Grille um Grille heraus und die Entchen müssen sich ihre Leckerbissen bei mir abholen. Zunächst gucken die Vier ganz gierig bis sich dann eine ein Herz fasst und mit einem Hechtsprung herankommt, sich die Grille schnappt und mit einem weiteren Hechtsprung wieder zurück hüpft. Ich könnte mich Ausschütten vor Lachen. Ihrer Scheuheit tut dieses Ritual kaum einen Abbruch. Sie ertragen gerade mal mich als ihre Pflegerin.
Gestern als der Tag so heiß war, konnte ich endlich einmal beobachten, wie die Entchen sich in ihrem großen Badeteich tummelten. Das war mir bisher noch nie in dieser Weise vergönnt. Ich hatte nach der Grillenfütterung einige Grillen auf einem Korkstamm, der auf dem Badeteich schwimmt, sorgsam drapiert. Um sich diese zu schnappen, mussten sie hinein und konnten nicht wie sonst vom äußeren Rand aus schnäbeln. Ich war erstaunt, mit wie viel Energie sie plötzlich tauchten, heraussprangen und voller Übermut in Windeseile durch die Quarantäne hetzten. Es war vergleichbar mit den „fünf Minuten“, die ein Hund auch hin und wieder mal hat. Danach widmeten sie sich wieder dem Hauptschwerpunkt ihres Lebens: Der Gefiederpflege.
Ein weiteres Ritual haben wir in den Alltag eingebaut. Jeden Abend gegen 20 Uhr müssen die Entchen in den Stall watscheln, um dort die Nacht zu verbringen. Mein Mann hatte schon vor einiger Zeit das Nachtlicht und die Wärmelampe angebracht. Eine Wurfbox wurde mit Sägespäne und viel Heu ausgepolstert, was meine "Luxus-Entchen" komplett ignorierten. Statt dessen wählten sie den Katzenkorb als ihre Schlafstätte, was mir auch Recht sein sollte. Jeden Abend sammeln sich also meine Entchen pünktlich vor der geöffneten Stalltüre, um dann mit einem „tschtsch“ von mir hineindirigiert zu werden. So süß! Die Nacht wird genauso wie der Tag genutzt, um zu baden, Entengrütze zu naschen (natürlich nur die Großblättrige!) und zu fressen. Oft ist der Futternapf und die kleine Badewanne komplett leer, wenn ich morgens komme.
Bald schon ist die Zeit der Pflege vorbei. In nur drei Wochen geht es für die Entchen in die Wildnis. Ein großartiges Angebot bekam ich von der Besitzerin zweier meiner ehemaligen Pflegetiere Heidi und Oliver Otto von Hauershausen. Sie hat ja nicht nur ein riesiges Grundstück vor ihrem Haus, sondern auch einen eigenen kleinen See, auf dem sich zur Zeit das Entenjungvolk sammelt. Bis November bleiben sie meist da, so erzählte mir Frau E., um dann an die Havel zu fliegen. Auf meine skeptische Frage, wie es denn mit Greifvögeln aussähe, versicherte mir Frau E., dass diese schon abgezogen seien. Die hatten ihren Spass mit den Enten schon im Juni und Juli gehabt. So nahm ich voller Begeisterung dieses Angebot an, heißt es doch, dass meine Entchen von den anderen Jungenten lernen können und automatisch mitfliegen, wenn zum Beispiel Gefahr droht. Auch kann ich sie die ersten Tage noch beobachten und wenn ich will Futter hinstreuen, sollte es kritisch werden. Günstigerweise hat Frau E. nicht nur die Lager voller Weizen, sondern auch noch ein Fernglas, mit dem wir die Entchen dann beobachten können.
Und so wird es absehbar leer in unserem Hause, was auch dringend notwendig ist, weil meine Kräfte so ziemlich erschöpft sind. Bei allem Spass und der unglaublichen Freude, die ich an meinen Pflegetieren habe, kostet jedes „Projekt“ stets Kraft und unwahrscheinlich viel Zeit. Die Quarantäne muss nach den Entchen erst mal gründlich gesäubert werden. Auch will ich neues Gras säen, um die inzwischen vielen kahlen Stellen auszumerzen.
In meinem Kopf habe ich jedenfalls festgesetzt: Die Entchen waren die letzten Pfleglinge in diesem Jahr für die Quarantäne. So sei es dann hoffentlich auch.
Claudia Hauer
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