Von Tod und Phobien
Erstellt von Claudia am 20. Juli 2010
Um es gleich vorweg zu sagen: Leider leben nur vier der acht Entenküken Leider.
Nach der Ankunft bei mir habe ich die offenbar nur wenige Tage alten Küken in der Quarantäne untergebracht. Bei Beobachtung ging mir schnell ein Licht auf, denn die Kleinen konnten mit ihrem halben Körper durch den wirklich sehr engen Maschendraht schlüpfen – besonders wenn sie in Panik gerieten. Also schnappte ich sie mir erneut und brachte sie im Kaninchenstall unter, der eine kleine Öffnung mit engmaschigen Längsstreben hatte. Ich wähnte mich sicher, doch das war trügerisch. So nahm ich meinen Beobachtungsposten auf der Terrasse ein, weil ich hoffte, dass sie ohne menschliche Nähe zunächst mal besser zur Ruhe kämen.
Durch die hohen Gräser des Terrassenhügels fiel mein Blick immer wieder zu Pamuya, die besonders sonniger Stimmung zu sein schien, denn sie spielte enorm fröhlich. Josie beobachtete sie liegend im Gras bei ihrem Tun. Ich dachte noch, man, wie schön, dass sie sich so gut fühlt und so viel Freude hat.
Irgendwann kurze Zeit später sah ich es Flattern im Stall und ging hinunter. Nur noch vier der acht Küken konnte ich entdecken. Panik befiel mich. Ein Gedankenblitz durchschoss meinen Kopf und ich schaute zu Pamuya, die zufrieden im Gras lag. Die vier Küken wurden in Windeseile in Sicherheit gebracht. Dann ging ich zu Pamuya. Josie lag noch immer in Entfernung auf ihrem Beobachtungsposten. Ich sah zwei leblose Entenkörper im Gras, ein Drittes versuchte sich in Sicherheit zu bringen. Die Küken hatten sich durch die enge Verstrebung des Kaninchenstalls plus dem Maschendraht der Quarantäne gequetscht und die Freiheit gesucht. Ja, ich war sehr entsetzt, ja, auch sehr wütend. Pamuya hatte die Entchen nicht getötet, sie aber zu Tode gespielt. Sie hatten keine Verletzungen. Leider konnte ich dem dritten "Pamuya-Küken" nicht mehr helfen.
Doch fehlte noch Nummer Vier. Meine Töchter und ich suchten in der Dämmerung mit Taschenlampen den Garten ab, konnten es aber weder hören, geschweige denn sehen. Traurig gingen wir ins Haus und ich kümmerte mich um die verbliebenen Entenküken. Plötzlich klingelte es an der Tür und eine besondere Frau stand etwas in den Händen haltend vor mir. Es war die Frau, die unsere Katze Jessie, über die ich in der Vergangenheit schon häufiger berichtete, als neuen Dosenöffner auserkoren hatte. Sie erzählte mir, dass unsere/ihre Jessie ihr ein besonderes Mitbringsel mitgebracht hätte, was wohl immer wieder vorkommt. Ganz zart fängt Jessie irgendwelche Tiere ein und bringt sie unversehrt heim. Dieses Mal ein Entenküken! Es war mein vermisstes Entchen. Sie wüsste nicht, was sie mit diesem Tierchen machen sollte, nicht ahnend, dass wir schon den kompletten Garten dreimal durchsucht hatten. Ehrlich – mir standen die Tränen in den Augen. Solche Zufälle gibts doch eigentlich gar nicht …
Die restlichen vier Entchen wohnen nun in einer großen Ikea-Box im Wohnzimmer, wärmen sich unter dem Rotlicht und fangen langsam an zu erkennen, dass ich nicht ihr Feind bin. Seit heute klappt das Fressen gut – ABER … natürlich nicht das spontan von der Firma Groß in Seeburg gespendete und extra hergestellte Entenfutter (Danke!!!). Es müssen W`s sein … W`s sind Würmer … nur ein einziges Mal schreibe ich dieses ekelhafte Wort in voller Länge. Ich liebe alle Tiere, außer W`s – ehrlich. Ich habe regelrechte Panikzustände, wenn ich einem dieser Dinger begegne. Besonders schlimm sind diejenigen, die bei Regen rauskommen …
Und nur W`s werden gut von meinen Entchen angenommen – wie schrecklich! Zur Not darf es auch anderes Ungetier sein wie Heimchen, Maden oder die gruseligen kleinen Wasserkrabbler … Wundervolle Teichlinsen, kleingehackte Brennessel, Salat, all das köstlich aussehende vegetarische Zeug wird einfach verschmäht. Auch hartgekochtes Ei oder sonstige entenübliche Leckerbissen locken sie nicht aus der Reserve – nur W`s. Und so sieht man mich nun an der Entenwanne sitzen, mich vor Ekel schüttelnd diese Viecher hinhaltend und ich bin überzeugt, dass es eine harte "Prüfung" sein muss, durch die ich da gerade durchmuss.
Ich befürchte, dass ich während der Entenaufzucht ziemlich abnehmen werde, weil der Gedanke allein mir stets den Appetit verdirbt … Naja, einen Trost gibt es zumindest: Spätestens im Alter von drei Wochen sollen Entchen ja vermehrt Grünzeugs fressen …
Ich will nicht jammern, aber musstet ihr schon mal mit Eurer Phobie unter einem Dach leben???
Bis dahin
Eure w-geprüfte Claudia
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