Erstellt von Claudia am 30. Juli 2010
Am Mittwochmorgen bekam ich wohl den schönsten Anruf seit langem: Karin, bist Du bereit, Paola aus der Tierklinik abzuholen und wieder aufzunehmen?
Und wie ich bereit war!
Waren die vergangenen Tage ein harter und auch tränenreicher Weg, so war ich mir sicher, dass ich diesem kleinen Hundekind eine schöne Gesundungsphase geben werde.
Also, ab in das Auto und los.
Unterwegs kamen dann die Gedanken: wie werde ich reagieren, wenn ich Paola wiedersehe?
Werde ich in Tränen ausbrechen? Wird mich Paola erkennen und möglicherweise *hassen*, dass ich die Person war, die sie dort *abgegeben *hat? Wie viele Anforderungen wird das Klinikpersonal an mich stellen? Bin ich dem gewachsen?
Bei all den Überlegungen merkte ich gar nicht, dass ich vor der Klinik angekommen war.
Ich ging bewusst atmend an den Empfang und meldete, das ich von der Welpennothilfe komme und Paola abholen darf.
Dann wieder das, was ich am wenigsten leiden kann: Warten!
Da werden Minuten zu Stunden, aus warmen Händen werden klatschnasse Flächen und meine Atmung ging schneller. Ich bin auch nur ein Mensch.
Dann öffnete sich die Tür zum Behandlungsraum und der Arzt rief mich auf.
Er erklärte mir, dass Paola gleich kommt, wie ich die nächsten 7 Tage mit ihr hier zu handhaben habe, der Futterplan und die Medikamente wurden erörtert.
Dann ging die Tür auf und eine Helferin trug Paola herein. Stellt diesen kleinen Hund auf den Untersuchungstisch, nickte mir zu ..und ich sagte nur;
*Hallo Kleines*, nahm diesen kleinen ausgemergelten Körper auf meinen Arm und war einfach nur froh, dass sie mich erkannte, mir nicht böse war und quitschend mein Gesicht ableckte. Und ich war stolz auf mich, dass ich nicht losflennte wie ein Schlosshund, sondern völlig cool und souverän meine Unterhaltung mit dem Arzt weiter führte.
Es ist leider so, dass es keine genaue Diagnose gibt für Paolas Krankheit. Wir wissen, dass es kein Parvovirose war, keine Giardien und diverse andere Krankheiten konnten auch ausgeschlossen werden . Die ganz genaue Diagnose werden wir nie erfahren.
Vollgepackt mit Infos und Medikamenten, eine Paola auf dem Arm konnte ich dann die Klinik verlassen.
So, nun trug ich also dieses kleine Hundekind, welches keine 2 Kilo Gewicht mehr hatte zu meinem Auto, setzte sie in die Transportbox und sagte dann zu ihr: * so, Schatz, nun fahren wir nach Hause, gell .*
Als ich den Wagen startete, gab ich dem Vorstand Bescheid, dass Paola nun wieder in meiner Obhut ist.
Der nächste Anruf galt meinem Mann, der die Order bekam, einen Bereich im Garten abzusperren, allerdings mit einem doppelten Zaun, so das jeglicher Kontakt mit den beiden anderen Welpen und den eigenen Hunden unmöglich ist.
So kamen Paola und ich also in Falkensee an und: DANKE, lieber Sör! Du hast einen perfekten, sicheren Bereich für Paola im Garten geschaffen.
So perfekt, dass Paola gleich sich einen Platz suchte zum Lösen und mir sofort anschließend die schönste Hundewurst präsentierte, die ich je gesehen habe.
Nach der getanen *Arbeit* legte sich Paola ins Gras, räkelte sich und blieb auf dem Rücken liegen und guckte staunend in den blauen Himmel.
Dieser Blick veranlasste mich dann zu folgendem Satz:
*Siehste Paola, siehste, genau dafür hat es sich alle Male gelohnt zu kämpfen*
Die Sicherheitsvorkehrungen, die wir empfohlen bekommen haben, sind aus zweierlei Sicht notwendig.
Einmal ist das Immunsysthem von Paola auf unterem Niveau und sie muss vor allen möglichen Keimen geschützt werden, andersherum sind die Ausscheidungen von Paola möglicherweise noch nicht sauber genug, so das eine Ansteckung auf die anderen hier lebenden Tiere verhindert werden muss.
Die Zeitspanne beläuft sich auf 7-10 Tage, bis dahin wird Paola soweit stabilisiert sein, dass die Ärzte mir versicherten, das dann die Gefahr gebannt ist.
Das Pflegeleben gestaltet sich nun so, dass Paola zwei Bereiche nur für sich hat.
Sie hat ihren eigenen Outdoorbereich, mit einer doppelten Zaun-Sicherung, so das Paola am aktiven Leben optisch und akustisch teilnehmen kann.
Abwechselnd sind entweder mein Mann oder ich in diesem Bereich, den wir betreten, nachdem wir unsere Hände sterilisiert haben.
Auf die gleiche Art verlassen wir auch das Gartenfeld von Paola: Hygiene ist alles und auch gar nicht so schwer zu händeln.
Im Indoorbereich genügt Paola derzeit das Reisebettchen für Kinder. Es ist extra gepolstert, damit ihr ausgemergelter Köper, der irgendwie nur aus Fell und Gerippe besteht, sich weich betten kann. Wenn die Kleine sich weiterhin so gut macht, werden wir einen Teil des Wohnzimmers abtrennen, ähnlich einer riesigen Wurfbox .
Es sind nur 7-10 Tage!
Und ja, auch wenn es sich alles super anstrengend und aufwendig anhört:
Das ist mein Job, mein freiwilliger Job als Welpen Pflegestelle.
Dieses Hundekind, welches nun so schwer erkrankte, zu pflegen, zu betüddeln, zu füttern und zu animieren, dem neu erkämpften Leben so gesund wie es nur geht entgegen zu treten .
Freud und Leid, Leben und Tod liegen verdammt nahe beieinander.
Ich war mir bis Olberichs Tod nicht wirklich im klaren, welch ein Kummer einem überfällt, wenn man einen kranken Welpen aufnimmt. Die Angst lässt einen weder Schlafen, noch irgendwie zur Ruhe kommen. Ich bin gewachsen mit dieser Tragödie.
Werde jedoch nie aufhören, mein Herz an jedes meiner Pflegies ein wenig zu verlieren.
Ich werde es nie schaffen, jeden Hundewelpen zu retten.
Aber in diesem Fall wurde Paola gerettet.
Und wer immer in die Augen von Paola blickt, wird wissen, warum ich diesen Job bei der Welpennothilfe gerne und aus tiefsten Herzen mache.
Fleißkärtchen verteilenden und mit tierliebenden Gruß von Karin aus Falkensee