Erstellt von Julianna am 26. Juni 2010
Kaum ist der Kampf um Käthes Leben fast gewonnen, ist es mir nicht vergönnt, diesen Triumph zu feiern und etwas Kraft für neue Aufgaben zu schöpfen, denn seit Dienstagabend kämpft Kaufmann um sein Leben.
Eigentlich war die Berichterstattung ganz anders geplant. Ich wollte ausführlich über die Welpen berichten, wie gut es der dicken Irma geht und wie schön es ist, Käthe bei ihren ersten Schritten zurück ins Leben zu begleiten. Drei Tage lang war sie dem Tod näher als dem Leben. Ich weiß leider nur allzu gut, wie es aussieht, wenn ein Welpen sich auf den Weg über die Regenbogenbrücke macht und Käthe hatte mindestens schon einen Fuß auf der Brücke.
Als sie bei mir ankam, war schon der deutliche Größenunterschied zu ihrer Schwester Irma zu erkennen, die neben der zierlichen, eingefallenen Käthe aussah wie ein Nilpferd.
In den nächsten 48 Stunden gelang es mir so gut wie gar nicht Käthe zu füttern, sie wollte weder schlucken geschweige denn von selbst saugen.
Sie schrie bei jeder Berührung wie am Spieß und kämpfte wie ein Löwe gegen die Flasche und die Futterspritze an.
Sämtliche Tricks wurden angewandt, brachten jedoch keinen Erfolg. Zu zweit mussten wir die sich wie ein Aal windende Käthe festhalten, um ihr die überlebenswichtigen Injektionen mit Flüssigkeit zu spritzen, damit der dehydrierte Körper überhaupt noch eine Chance haben konnte, den Weg zurück ins Leben zu finden.
Zwei Tage und Nächte kämpften Käthe und ich um ihr Leben, dann plötzlich in der dritten Nacht merkte ich auf einmal bei der 2.00 Uhr-Fütterung, wie Käthe einen zaghaften Saugversuch an meiner Hand unternahm. Sofort setzte ich die Flasche an, und Käthe nahm selbständig ein paar Züge. Von da an war der Schalter umgelegt und Käthe trank von selber. Sie war zwar aufgrund des Flüssigkeitsmangels noch sehr ausgetrocknet und benötigte noch zwei Tage Injektionen, aber sie war einen Meilenschritt in Richtung Gesundheit weiter gekommen, auch wenn sich unter dem einen – noch geschlossenen Auge – eine eitrige Entzündung verbarg. Diese bekamen wir mit Augensalbe schnell in den Griff und sind guter Hoffnung, dass das Auge nicht geschädigt ist.
Da sich zum Wochenende schon eine deutliche Besserung ihres Gesundheitszustandes abzeichnete, stürzte ich mich am Samstag voller Freude in eine neue Aufgabe.
Ich nahm den kleinen Kaufmann auf, dieses unglaublich süße kleine Schweinchen, das erst am Samstagnachmittag um 16.34 Uhr geboren wurde und bei seiner Ankunft nur 250g wog und sich sofort in mein Herz grunzte.
In der Schweineaufzucht bin ich eigentlich auch ein totaler Laie, ich hoffte und vertraute aber darauf, dass mir die Erfahrungen, die ich bei der Handaufzucht anderer Saugwelpen sammeln konnte, helfen würden. Außerdem war Claudia ja mittlerweile bestens über die Aufzucht von Schweinchen aufgeklärt und wies mich ausführlich in die neue Aufgabe ein.
Zu Beginn lief alles prima, Kaufmann trank gut aus der Flasche und war insgesamt super fidel.
Als er am Sonntag leichten Durchfall bekam, machte ich mir auch noch keine Sorgen. Am Sonntag gegen Abend fing er an kleine Bläschen auszuscheiden.
Da ich so etwas noch nie gesehen hatte, erkundigte ich mich im Internet über Ferkelkrankheiten und stieß auf eine äußerst heimtückische Magen-Darm-Erkrankung, die eben das Auftreten dieses schaumartigen Durchfalls als Symptom beschrieb. Unbehandelt ist diese Krankheit in fast 100 % der Fälle tödlich. Besonders hinterhältig bei dieser Krankheit ist der Umstand, dass die Ferkel zu Beginn noch unbeeinträchtigt saugen und auch sonst keine Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens zeigen.
Leider war an diesem Abend trotz zahlreicher intensiver Versuche kein Nottierarzt, der auch in der Lage ist Schweine zu behandeln, zu erreichen und so sprach ich gleich am nächsten Morgen mit dem zuständigen Professor der Klinik für Klauentiere in Düppel. Er gab mir einige wertvolle Behandlungstipps und wir vereinbarten – da es Kaufmann inzwischen wieder besser ging und kaum noch Durchfallsymptome auftragen – für den nächsten Morgen einen Termin für eine Routineuntersuchung.
Den Tag über war Kaufmann super fit und trank sehr gut. Am Abend kippte innerhalb einer Stunde die komplette Situation. Kaufmann erlitt einen starken Rückfall, bekam wieder starken Durchfall, glühte vor Fieber und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.
Ich rief beim Notarzt in der Klauenklinik an, der mir einige Maßnahmen durchgab, die ich sofort anwendete.
Leider verschlimmerte sich die Situation in der nächsten Stunde dramatisch: Kaufmann knickte auf den Vorderbeinen ein und fiel auf die Seite, er wirkte ganz benommen und trank so gut wie nichts mehr. Von jetzt auf gleich kam er in diese lebensbedrohliche Situation.
Ich rief wieder in der Klauenklinik an und der behandelte Notarzt riet uns sofort in die Klinik zu fahren. Leider musste er auch erst aus dem Havelland anreisen, so dass der kleine Kaufmann noch gut eineinhalb Stunden auf die Behandlung warten musste.
Er bekam sofort Antibiotika und eine spezielle Lösung eingeflößt, außerdem wurde eine Kotprobe zur Bestimmung der genauen Erkrankung genommen.
Wir wurden mit der Weisung entlassen, ihm die nächsten 12 Stunden stündlich diese spezielle Lösung einzugeben und ihn aufgrund des Fiebers nicht zu warm zu halten, da dies den Kreislauf zusätzlich belasten würde.
Die Nacht über habe ich Kaufmann wie besprochen behandelt. Glücklicherweise trank er die Lösung ohne Probleme.
Heute geht es ihm schon etwas besser, nur der schlimme wässrige Durchfall schwächt ihn noch immer. Hoffentlich wirkt das Antibiotika bald.
Bitte drückt Käthe und Kaufmann die Daumen, sie können es wirklich gebrauchen.
LG die erschöpfte Päppelmama