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Skrupelloser Welpenhandel auf Polenmärkten

Erstellt von Mitglied am 19. Oktober 2009

Berlin/Slubice (Polen), 13.10.2009. Letzten Sonntagnachmittag auf dem Polenmarkt in Slubice, einige Kilometer hinter der Grenze bei Frankfurt/Oder. Es ist kalt, der Nieselregen kriecht einem selbst in die dickste Jacke. Direkt am Eingang des großen Marktgeländes stehen 8 Tierhändler. Ihre Ware, Hunde- und Katzenwelpen, präsentieren sie in einfachen Pappkartons. Hier kann man fast aller Rassen bekommen – heute werden uns Staffordshire-Bullterrier, Labradore, Boxer, Golden Retriever, Shi-Zu, Möpse und Französische Bulldoggen entgegen gehalten. Die Winzlinge zittern in der Kälte und kuscheln sich eng an ihre Wurfgeschwister, einige haben verklebte Augen und von Milben geschwärzte Ohrmuscheln. Viele der Hunde wirken apathisch, wie betäubt. Kein Laut dringt aus den provisorischen Behältnissen.

„Wir gehen davon aus, dass ein Großteil dieser Hundewelpen von Berlinern gekauft wird“, sagt Ursula Bauer von aktion tier Berlin. Die Händlerinformationen zu den Tieren sind spärlich, Papiere gibt es entweder gar keine oder die Impfpässe sind gefälscht, obwohl behauptet wird, dass die Hunde geimpft und entwurmt sind. Die für einen Welpen dringend erforderliche Grundimmunisierung und Entwurmung von der 6ten bis zur 10ten Lebenswoche kostet normalerweise zwischen 80 und 100 Euro. Ein Hund für 50 Euro vom Polenmarkt ist folglich mit Sicherheit nicht geimpft.

„Die Welpenproduktion erfolgt im großen Stil, meistens werden viele Hündinnen, die permanent gebären müssen, auf engstem Raum gehalten“, weiß Ursula Bauer von aktion tier. In diesem oft auch noch unhygienischen Umfeld sind die Tiere einer Vielzahl von Krankheitserregern ausgesetzt. Nur die Muttertiere sind geimpft, da sie als Gebärmaschinen funktionieren sollen. Die in der ersten Zeit über die Muttermilch übertragenen Antiköper gewähren den Welpen bis etwa zur 4ten Lebenswoche einen gewissen Schutz, danach vermehren sich allerdings die Krankheitserreger rasant. „Die skrupellosen Hundehändler nutzen die kurze Zeitspanne von der 5ten bis 6ten Lebenswoche zwischen Ende des Immunschutzes und Ausbruch der tödlichen Krankheiten zum Verkauf der Tiere, da sie hier noch recht gesund und munter aussehen“, sagt Diplom Biologin Ursula Bauer.

aktion tier schätzt, dass über 50% der auf den Polenmärkten erstandenen Hundewelpen dem Tod geweiht ist. Die meisten der Babys erkranken nach kurzer Zeit an Parvovirose, einer hoch ansteckenden und meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit. So ist die Freude an dem neuen Familienmitglied meist nur von kurzer Dauer.

„Dass man auf Polenmärkten für 50 Euro etwa einen reinrassigen Boxer erstehen kann, für den man bei einem seriösen Züchter mindestens 900 Euro bezahlen müsste, ist sicherlich für manchen Hundefreund verlockend“, sagt Ursula Bauer von aktion tier Berlin. „Wir raten jedoch dringend von einem Kauf ab“, so die Biologin weiter. Nicht nur die relativ hohe Wahrscheinlichkeit, ein krankes Tier zu bekommen, sowie die Tatsache, dass durch den Kauf der gewissenlose und ausschließlich profitorientierte Handel unterstützt wird, sollten nachdenklich machen. Letztendlich drohen auch rechtliche Konsequenzen. Gemäß der Deutschen Tierschutz-Hundeverordnung darf ein Welpe erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Wer etwa aus Unwissenheit ein jüngeres Tier ersteht, handelt ordnungswidrig. Außerdem müssen gemäß den geltenden Bestimmungen auch Hundewelpen unter 3 Monaten bei der Einreise nach Deutschland mittels Microchip oder Tattoo gekennzeichnet sein sowie über eine EU- Heimtierpass verfügen. Hunde der Rassen Pit-Bullterrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen dürfen überhaupt nicht nach Deutschland eingeführt werden.

(Quelle: "aktion tier – menschen für tiere e.V.")

Hier finden Sie zum Thema Welpenhandel einen informativen Flyer: www.aktiontier.org/uploadfiles...dfiles/10_681_welpenhandel.pdf

 

Susan Zeh

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WARE HUND – Ein Bericht von Kathrin Hansen

Erstellt von Claudia am 29. November 2007

Mit freundlicher Genehmigung von Kathrin Hansen
(Copyright auf Text & Bilder: Kathrin Hansen)
www.hinsehen-statt-wegschauen.de, www.animal-coach.de


Komm, wir fahr`n nach Lüttich (Belgien)!

Es ist Sonntag und die Sonne scheint. Heute machen wir uns auf und wollen in Lüttich den bekannten Markt „La Batte“ besuchen. Ein traditionsreicher Markt entlang der Maas inmitten der malerischen Altstadt. Voller Vorfreude suchen wir einen Parkplatz (was richtig schwierig und nur in einem nahe gelegenen Parkhaus letztendlich zu finden war) und stürzen uns dann ins Getümmel.
Viele Gerüche schlugen uns entgegen: da ein Stand mit Weißbrot und Oliven, dort gibt es frisch gebackene belgische Waffeln, da wird leckeres Obst verkauft und dazwischen findet man unzählige Stände mit Kleidung und Haushaltswaren. Ein buntes Bild – viele Eindrücke, die man erst nach und nach wahrnimmt.
Plötzlich bleibt unser Blick an einem roten Ladenschild hängen „Chiens“ – Hunde! Neugierig betreten wir einen kleinen, engen und viel zu dunklen Laden. Menschenschlangen drängen sich hinein und wieder hinaus – manche mit kleinen Hunden und einen sonderbar verzückten Blick… uns schlägt an der Tür ein penetranter Geruch von Hund und Mensch entgegen, die Luft ist stickig.

Der kleine Laden ist voll mit kleinen Gitterboxen, in welchem Welpen aller Rassen auf Fliesen liegen. Die notdürftig ausgelegte Einstreu polstert keinesfalls die nackten Welpenbäuchlein.

Gerade wird ein Käfig mit einem Golden Retriever Welpen geöffnet. Eine deutsche Familie steht davor und diskutiert, ob man nun eher den dunklen oder den hellen Welpen mitnimmt. Ich klinke mich ein und frage nach dem Preis: 450 Euro, natürlich geimpft, gechippt, entwurmt und mit Papieren (Impfpass). Als die Familie mein Interesse bemerkt, greift sie ganz schnell zu und geht mit dem Welpen zur Kasse. Dort bekommt sie einen Kaufvertrag als Garantiebestätigung, welche besagt, dass man den Welpen umtauschen kann, wenn er krank ist und diese Krankheit von dem hauseigenen Tierarzt bestätigt wird. Ich schaue der Familie über die Schulter und kann einen Blick ins Impfbuch werfen: nur eine Impfung eingetragen und der Welpe ist noch viel zu jung, um von der Mutter weggenommen zu werden.

Stolz wird die neue Errungenschaft nach draußen getragen und man sucht sich erst mal ein sonniges Plätzchen, um dem neuen Familienmitglied hallo zu sagen. Ich geselle mich dazu und man sagt mir, dass man vor zwei Wochen den 14 Jahre alten Labrador einschläfern lassen musste. Das Körbchen ist so leer, der Platz musste so schnell wie möglich wieder gefüllt werden. Meine Bitte, den Kleinen gleich morgen dem TA vorzustellen und meine Versuche, die Familie über die Risiken eines solches Kaufes (Würmer, Staupe, Zwingerhusten, Parvo) etc. aufzuklären, verhallen im Lütticher Wind. Glücklich trägt man den kleinen Mann zum nächsten Hundeladen und kauft dort Halsband und Leine…. Viel Glück, kleiner Bub!
Wir laufen weiter und plötzlich erscheint der Markt gar nicht mehr so spannend und bunt. Plötzlich sehen wir ganz viele Hunde – junge und alte, Hunde mit dicken Seilen um den Hals und welche mit viel zu engen Nylon-Maulkörben an. Ist das Tierliebe?

Sanft werde ich weiter geschoben – der Anblick ließ mich einfach nicht mehr los… und ich hatte keinen Blick mehr für all das bunte, appetitlich hergerichtete Obst, sondern plötzlich sah ich nur noch Vögel aller Art in viel zu kleinen Käfigen. Dort! 20 kleine Singvögel in einer mehrfach unterteilten Holzkiste, keine 20 cm hoch. Ein kleiner Junge steht mit seiner Mutter an der Kiste und schüttelt sie hin und her… die kleinen Vögel fallen wie bunte Murmeln durcheinander, das Kind freut sich über das Schauspiel und die Mutter steht ohne ein Wort der Ermahnung einfach dabei. Ich gehe ein Schritt zur Seite und drücke das Kind von der Kiste weg. Dafür ernte ich von der Mutter einen vorwurfsvollen Blick…

Auch der nächste Laden ist brechend voll. Ein Blick in die kleinen Gitterboxen zeigt: diese Welpen sind krank. Alle haben verklebte Äuglein, liegen teils apathisch unter kleinen Leuchtbirnen und nehmen kaum Kontakt mit den Besuchern auf. Teilweise muss man schon genau hinschauen, ob die kleinen Würmchen noch atmen… die Bäuche eingefallen und doch rund (typisch Wurmbauch), das Fell ganz struppig und wieder dieser widerliche Gestank. Ich laufe durch den Laden hindurch und mein Herz bleibt steht: ganz hinten entdecke ich hinter einer Glasscheibe drei Hunde, die schon ein halbes Jahr alt sein müssen. Einen Neufundländer, einen Pinschermix und einen gelben Labrador. Den muß ich mir genauer anschauen: ein wunderschönen Gesicht mit großen Augen, viel zu dünn und knochig sieht er aus. Ich spreche die Verkäuferin an und frage nach, wie viel dieser Hund kosten soll: Sonderangebot 250,- Euro. Ich frage, ob ich mal zu ihm hinein darf und schon wird mir die Tür geöffnet. Der Labbi läuft sofort ins letzte Eck – weit weg von mir, während die anderen beiden mir fast auf den Schoß springen. Sobald ich mich bewege, läuft der Labbi in die andere Ecke – der Hund ist voller Angst! Ich packe ein paar Kekse aus und nachdem die beiden aufdringlichen die ersten Krümel ergattern konnten, halte ich dem Labbibub ein Stückchen hin…. Es dauert fast eine Ewigkeit, dann schleicht er in meine Nähe und mit langem Hals und spitzen Mäulchen nimmt er sich den Keks. Beim Fressen hat er ein Strahlen in den Augen – es scheint zu schmecken. Da ist es mit mir vorbei – es laufen Tränen über mein Gesicht und die Verkäuferin schaut mich mitleidig an. Ich präsentiere ihr schnell eine Geschichte (habe gerade meinen Labbi verloren, der genau soooo aussah….) und die Frau nickt: ja, so ein Hund ist ein richtiges Familienmitglied. Ich dreh mich von ihr weg, sonst hätte ich ihr für diese Scheinheiligkeit ins Gesicht gespuckt.

 

Mittlerweile hat sich der gelbe Bub noch einen Keks ergattert, dann war es mit seinem Mut vorbei. Er lief wieder ins letzte Eck und schaute mich mit großen Augen an. Ach, wie gerne würde ich dich mitnehmen! Aber: es darf nicht sein. Du machst Platz für viele neue Welpen… ein widerliches Rad der Profitgier! Die Frau merkt sehr gut, dass ich mich in den kleinen Kerl verliebt habe und erklärt mir ihre Verkaufsregularien. Ich bekomme einen geimpften, gechippten und selbstverständlich rundum gesunden Hund mit Pass. Sie gibt auch eine Garantie: sollte dieser Hund in den nächsten 10 Tagen krank werden, dann kann ich ihn zurückbringen. Er wird dann vom hauseigenen Tierarzt auf Kosten des Verkäufers gesund gemacht oder ich kann ihn umtauschen. Sollte ich zu meinem eigenen Tierarzt gehen, muss ich das selbst zahlen. Sollte der Hund innerhalb der nächsten 10 Tage sterben (und dazu gilt nicht einschläfern wegen unheilbarer Krankheit), dann kann ich den toten Hund in den Laden zurückbringen und bekomme mein Geld wieder.

Ich glaub, ich muss mich übergeben! Schon spuken wahnsinnige Bilder in meinem Kopf herum: da läuft jemand mit seinem toten Tier über den Markt zu dem Laden und bringt ihn dem Verkäufer als Beweis, dass dieser die Garantiezeit nicht überlebt hat…. Wie krank ist das denn????

 

Ich muss raus hier! Schnell verlasse ich den Laden und werde von meinen Bekannten empfangen. Diese sind genauso fassungslos über das Gehörte wie ich. Meine Bekannte geht noch mal in den Laden, denn dort liegt ein apathischer Husky im Gitterkasten. Er hat sich in der Zeit, in der sie ihn beobachtete, kaum bewegt. Gerade macht er Häufchen: es ist Flüssigkeit und Blut! Erschöpft fällt er mit seinem Kopf in seinen Wassernapf und bleibt matt liegen. Die Verkäuferin wird geholt. Diese sieht aber keine Veranlassung, das Gitter zu öffnen und meine Bekannte hört nur: den können Sie kaufen für 500,- Euro. Wir schauen uns an und müssen uns am Riemen reißen…. Schnell raus hier, sonst machen wir noch etwas Kriminelles.

 

Langsam laufen wir wortlos zu dem Parkhaus. Da sehen wir einen jungen Mann mit seinem Vater am Straßenrand sitzen. Diese beiden haben wir vorher schon in dem Laden gesehen und meine Bekannte meint: mein Gott, hoffentlich kaufen die jetzt keinen Hund. Sie fängt ein Gespräch mit den beiden an und siehe da: sie interessierten sich für einen der drei älteren Hunde aus dem letzten Laden. Gottseidank hören sie uns zu, als wir sie über Krankheiten, Verhaltensfehler und profitgeile, kriminelle Machenschaften der Vermehrer und Händler aufklären. Das haben sie nicht gewusst. Schon drei Mal waren sie hier und haben bislang keinen Hund gekauft. Dieses Mal hatten sie aber das Gefühl, den richtigen gefunden zu haben. Aber nachdem, was wir ihnen erzählen, wollen sie doch weiter schauen. Vielleicht noch mal ins Tierheim oder im Tierschutz nach einem neuen Familienmitglied Ausschau halten. Wir bedanken uns, dass sie uns zugehört haben und gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu unserem Auto.

Was für ein Tag! Auf der Fahrt hat jeder von uns das gerade Erlebte noch vor seinem inneren Auge und es fließen Tränen… wir sind uns einig: wir müssen weiterhin über Vermehrer und Händler aufklären! Packen wir`s an!

Abtransport nach Ladenschluss…

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