Erstellt von Claudia am 24. Juni 2010
Der letzte Gang
Bin ich krank und schwach
und quälende Pein hält ständig mich wach -
was Du dann tun mußt – tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.
Daß du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag – mehr als jemals geschehen -
muß Deine Freundschaft das Schwerste bestehen.
Wir lebten zusammen in wenigen Tagen voll Glück.
Furcht vor dem Muß? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, daß ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.
Begleite mich dahin, wohin ich gehen muß.
Nur – bitte bleibe bei mir bis zum Schluß.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.
Mit der Zeit – ich bin sicher – wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Ein vertrauter Blick, ein Seufzer, ein letztes Mal -
Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.
Und gräme Dich nicht, wenn Du es bist,
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint.
Es darf nicht sein, daß Dein Herz um mich weint.
Heute nachmittag habe ich Julius von seinen Leiden erlösen lassen und ihn auf den Weg zur Regenbogenbrücke begleitet. Dieser Tag heute wird mir als einer der schlimmsten und schwärzesten Tage meines Lebens im Gedächtnis bleiben. Julius hatte keinerlei Chance.Stündlich baute er ab. Ich höre sein Schreien und Klagen noch als wäre er hier bei mir, direkt in seinem Körbchen. Sein Ringen nach Luft nahm mehr und mehr zu und es gab nichts, was ich noch für ihn tun konnte, außer sein Köpfchen hochhalten und seinem Körper eine Stütze sein. Immer wieder wachte er auf, hustete und begann zu schreien. Manchmal hatte ich Glück und er ließ sich durch sanftes Klopfen wieder beruhigen. Manchmal aber bekam er Panik. Todesängste, weil er drohte innerlich zu ertrinken (die Lunge ist zu). Ich werde diese panischen Angstschreie mein Leben lang in meinem Kopf behalten und nie vergessen können. Vielleicht liegt das daran, dass ich quasie "vorgeschädigt" bin und auf Husten mir nahestehender Menschen (und Tiere) höchst problematisch reagiere, habe ich doch vor vielen Jahren meinen eigenen Vater an Lungenkrebs und seinem eigenen Blute ersticken sehen …
Nein, liebe Leute, ich habe das psychisch nicht alleine geschafft. Unter vielen Tränen, die in den vergangenen Stunden geweint wurden, habe ich in einer der letzten Panik- und Erstickungsattacke meine Freundin angerufen. Ich flehte sie an, so schnell wie möglich zu mir zu kommen, weil ich diese Anfälle alleine nicht mehr ertragen kann. Ein Tier so leiden zu sehen, ist eine ganz schlimme Geschichte und für mich eine absolute Ausnahmesituation. 1,5 Stunden half sie mir, die Zeit bis zur Öffnung der Tierarztpraxis zu überbrücken. Ohne sie wäre ich vermutlich irre geworden im Kopf, denn ich war sehr, sehr verzweifelt. So brauchte ich die Last nicht alleine tragen und es trug sich leichter.
Der Tierarzt war bereits auf unseren Besuch vorbereitet, denn er wusste natürlich schon seit gestern, dass die Aspirationspneumonie ausnahmslos tödlich endet und nicht geheilt werden kann. So hörte er den Julius ab und innerhalb weniger Minuten lag der kleine Kämpfer in Narkose, ehe er dann die tödliche Injektion bekam. Julius Herz war schon sehr geschwächt.
Noch lange haben wir mit dem Tierarzt gesprochen, welche Problemkreise im Falle Julius alles eine Rolle gespielt haben könnten. Jedenfalls hat das Verschlucken von Nahrung, so man mit dem Sauger (und nicht mit der Spritze) füttert und das Tier alleine saugt, meist nur dann tödliche Konsequenzen, wenn Anomalien, innere Missbildungen oder ähnliches vorliegen. Es wäre möglich, dass der Welpe schon bei der Geburt Fruchtwasser aspiriert hat. Der apathische Zustand von Julius in den ersten Tagen nach der Ankunft hat ganz sicher Gründe, einige davon hat der Tierarzt ausführlich erläutert. Bei gesunden Tieren ist das Verschlucken jedenfalls zumeist keine lebensgefährliche Angelegenheit.
Ich war sehr erleichtert, dass Julius letzte Qualen ein Ende fanden und er nicht länger leiden musste.
Es war eine schwierige Zeit und viele Menschen haben mitgeholfen, sein Leben zu retten. Ihnen gebührt mein Dank!
Claudia Hauer
PS: Haucke geht es prächtig und er wächst und gedeiht.